E-Bike & Pedelec - Fragen und Antworten

Expertentipps rund ums Radfahren mit Elektromotor
Bonn, 23. März 2012 (DVR) – Der Frühling ist da – nichts wie rauf aufs Fahrrad! Immer öfter hat dieses einen elektrischen Zusatzantrieb und heißt E-Bike oder Pedelec. Vor allem ältere Menschen und langjährige Fahrrad-Abstinenzler begeistern sich für das mühelose Dahingleiten mit elektrischem Rückenwind. Doch E-Bikes und Pedelecs sind nicht nur schneller als herkömmliche Drahtesel, sie sind auch schwerer und legen ein anderes Fahrverhalten an den Tag. Wer sicher und unbeschwert mit dem E-Bike unterwegs sein will, sollte beim Kauf und Betrieb ein paar wichtige Punkte beachten. In einer Leser-Telefon-Aktion des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) informierten Experten über technische, sicherheitsrelevante und rechtliche Aspekte des Fahrens mit einem E-Bike oder Pedelec. Die wichtigsten Antworten im Überblick:

 

Braucht man zum Fahren mit dem E-Bike oder Pedelec eine Fahrerlaubnis?

 

Welf Stankowitz: Man unterscheidet E-Bikes 25 und E-Bikes 45. Die E-Bikes 25 haben eine Motorunterstützung bis 25 km/h und leisten 250 Watt. Diese E-Bikes gelten als Fahrräder. Im Gegensatz dazu gibt es die Pedelecs 45, deren Motor leistungsfähiger ist und bis 45 km/h unterstützt. Für diese Fahrzeuge braucht man mindestens eine Mofaprüfbescheinigung, wenn der Fahrer nach dem 31. März 1965 geboren wurde oder eine sonstige höherwertige Fahrerlaubnis. Ein Pedelec 45 muss zudem ein Versicherungskennzeichen aufweisen.

 

Sollte der Motor beim E-Bike oder Pedelec vorne, hinten oder in der Mitte sein?

 

Gunnar Fehlau: Vorderradmotoren werden beim E-Bike zunehmend weniger verbaut, weil sie auch fahrdynamisch Nachteile haben. Der Trend geht zum Mittelmotor, weil er sich günstig auf den Schwerpunkt auswirkt und das E-Bike besser beherrschbar macht, zumal, wenn auch der Akku möglichst mittig im Rahmen sitzt. Beim Heckmotor läuft die Antriebskraft hingegen nicht über die Kette, er macht aber das Hinterrad schwerer und die Wartung, etwa bei einem Plattfuß, schwierig. Trotzdem: Entscheidend ist, dass Sie eine Probefahrt machen und die Unterschiede »erfahren«.

 

Existiert eine Helmpflicht für E-Bikes & Pedelecs?

 

Welf Stankowitz: Mit dem E-Bike oder Pedelec kann man schneller beschleunigen und höhere Geschwindigkeiten erzielen. Damit erhöhen sich auch die Gefahr eines Unfalls und die Wucht, mit der ein Kopf ohne Helm auf ein anderes Fahrzeug oder auf die Straße trifft. Ein Fahrradhelm empfiehlt sich beim E-Bike daher noch dringender als bei normalen Fahrrädern. Eine Pflicht existiert zurzeit jedoch nicht.

 

Darf ich mit einem E-Bike auf dem Radweg fahren?

 

Michael Bläss: Sie dürfen es nicht nur, Sie müssen es sogar, wenn eine Radweg-Benutzungspflicht besteht. Besteht diese nicht, können Sie auf der Straße fahren. Das gilt allerdings nicht für die schnellen E-Bikes oder Pedelecs. Diese dürfen nur solche Radwege benutzen, die auch für Mofas freigegeben sind.

 

Mein altes Fahrrad hat eine Rücktritt-Bremse. Gibt es die auch am Pedelec?

 

Roland Huhn: Die Rücktrittbremse hat hierzulande Tradition und das haben mehrere E-Bike Hersteller erkannt. Sie bieten den Rücktritt am E-Bike in Verbindung mit Mittelmotor und Namenschaltung an. Oft haben die E-Bikes dann noch zwei Handbremsen, insgesamt also drei Bremsen. Übrigens wirken moderne Handbremsen sehr gut und Sie sollten sie auch nutzen.

 

Ich brauche ein E-Bike mit möglichst tiefem Durchstieg – worauf muss ich beim Kauf achten?

 

Gunnar Fehlau: Gerade bei sehr günstigen E-Bikes und Pedelecs besteht die Gefahr, dass auf Rahmensteifigkeit wenig Wert gelegt wird, weil sie die Konstruktion aufwändiger und damit teurer macht. Entscheiden sollte auch hier eine Probefahrt, bei der Sie auch ruhig teurere E-Bike Modelle zum Vergleich fahren sollten. Übrigens: Wenn ein Rahmen bei der Fahrt »flattert« kann das auch andere Ursachen haben, zum Beispiel die Bereifung oder Lastenverteilung auf dem E-Bike.

 

Ich bin über 70 und will vom Rad aufs E-Bike umsteigen. Meine Kinder halten das für riskant…

 

Michael Bläss: Wenn Sie geübter Radfahrer sind, spricht nichts gegen ein E-Bike. Ich empfehle ein Pedelec 25, da es einem herkömmlichen Fahrrad am nächsten kommt. Achten Sie beim Kauf besonders auf das Gewicht und die gewünschte Reichweite des E-Bike Akkus. Bei einem Fahrrad Fachhändler haben Sie die Möglichkeit, auf einer Probefahrt ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich ein E-Bike fährt.

 

Gibt es so etwas wie E-Bike-Fahrkurse?

 

Roland Huhn: Einzelne ADFC-Kreisvereine bieten solche Einsteigerkurse für Pedelecfahrer an.

Nähere Informationen gibt es beim ADFC unter 0421-3 46 29 0.

 

Wo müssen E-Bike Fahrer im Straßenverkehr besonders aufpassen?

 

Michael Bläss: Besonders an Einmündungen und Kreuzungen kann es für Pedelec-Fahrer gefährlich werden. Der Grund: Autofahrer können die höheren Geschwindigkeiten von Pedelecs oft nicht richtig einschätzen, denn sie erkennen meist nicht, ob sie es mit einem Radfahrer zu tun haben oder einem in der Regel deutlich schnelleren Pedelec-Fahrer.

 

Was ist eine Schiebehilfe?

 

Roland Huhn: Mit der Anfahr- oder Schiebehilfe kann man den Motor bis zu einer Geschwindigkeit von sechs km/h auch ohne Mittreten einschalten. Das hilft beim Anfahren oder wenn Sie das E-Bike eine steile Rampe hochschieben müssen. E-Bikes mit einer solchen Schiebehilfe gelten als Fahrräder.

 

Ich habe gehört, dass es in Zukunft Radschnellwege geben soll. Was ist das?

 

Welf Stankowitz: In Holland gibt es schon sehr viele Fahrradschnellstraßen, auf denen Radfahrer über längere Distanzen, zum Beispiel zwischen Städten, sicher fahren können. In Deutschland sind solche Radwege auch geplant, etwa im Ruhrgebiet zwischen Duisburg und Dortmund auf 60 Kilometern Länge mit einer Breite von fünf Metern. Weil man mit E-Bikes leichter lange Strecken mit einem höheren Tempo fahren kann, können solche Radschnellwege den Pedelecverkehr fördern und sicherer machen.

 

Kann ich mich beim Kauf eines E-Bikes auf irgendwelche Gütesiegel verlassen?

 

Gunnar Fehlau: Mit dem GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit bescheinigt ein unabhängiges Institut, dass ein Pedelec den Anforderungen des Produktsicherheitsgesetzes entspricht. Ein Gütesiegel als Kaufentscheidungshilfe existiert nicht, da es die entscheidende Frage auch nicht beantworten kann: Passt das Rad zu meinem Einsatzzweck und meinen ergonomischen Bedürfnissen? Hier ist der Fachhändler der beste Ansprechpartner. Mein Tipp: Fahren Sie mindestens fünf verschiedene Modelle unterschiedlicher Preisklassen Probe. Dann trennt sich die Spreu schnell vom Weizen.

 

Benötigen E-Bikes oder Pedelecs besondere Bremsen?

 

Gunnar Fehlau: Ein zeitgemäßes E-Bike sollte eine Bremsanlage haben, die auf modernstem Stand ist. Zurzeit sind hydraulische Scheibenbremsen das Maß aller Dinge. Als zuverlässig gelten auch hydraulisch betätigte Felgenbremsen.

 

Darf ich mit einem Pedelec 45 einen Kinderanhänger ziehen?

 

Michael Bläss: Nein, das ist nicht erlaubt. Der Transport von Kindern in Anhängern ist ausschließlich für Fahrräder, also nur für Pedelecs 25 erlaubt. Zudem sind Kinderanhänger für höhere Geschwindigkeiten nicht ausgelegt.

 

Ich wiege 135 Kilo und möchte ein E-Bike kaufen. Worauf muss ich achten?

 

Roland Huhn: Sehen Sie gemeinsam mit dem Fachhändler in der Bedienungsanleitung nach dem zulässigen Gesamtgewicht, also der Summe aus dem Gewicht von Fahrer, E-Bike und Gepäck. In Ihrem Fall sollte das Gesamtgewicht 180 Kilogramm nicht unterschreiten. Verschiedene Hersteller bieten E-Bikes für diese Belastung an.

 

Wo kann ich den E-Bike Akku unterwegs aufladen?

 

Michael Bläss: An einer entsprechenden Infrastruktur arbeiten bereits heute viele Städte und Gemeinden in Verbindung mit den Stromversorgern. Der ständig steigende Anteil an E-Mobilität wird in den kommenden Jahren neue Lösungen hervorbringen, um E-Bike Akkus unterwegs flächendeckend aufladen zu können. Wie solche technischen Lösungen konkret aussehen, hängt nicht zuletzt von der Entwicklung von herstellerübergreifenden Standards ab.

 

Benötigt ein Pedelec spezielle Reifen?
 

Roland Huhn: Für Pedelecs 25 gibt es hier keine Vorschriften. Bei schnellen Pedelecs ist eine Mindestprofiltiefe von einem Millimeter vorgeschrieben.

 

Darf ich ein E-Bike auf einem Fahrradträger am Auto transportieren?

 

Roland Huhn: Grundsätzlich ja, aber die Belastungsgrenzen des Dach- oder Heckgepäckträgers müssen eingehalten werden. Wenn der Träger auf der Anhängerkupplung montiert wird, ist zudem die zulässige Stützlast zu beachten.

 

Wie oft muss ich den E-Bike Akku aufladen?

 

Wie lang dauert ein durchschnittlicher Ladevorgang? Gunnar Fehlau: Bei hochwertigen E-Bikes sind 40 bis 50 Kilometer Reichweite die Regel. Das Laden dauert je nach Hersteller und Modell zwischen zwei und fünf Stunden.

 

Die Experten des Lesertelefons im Überblick

 

Welf Stankowitz, Referatsleiter Fahrzeugtechnik beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), Bonn Gunnar Fehlau, Autor zahlreicher Fachbücher zum Thema Fahrrad, Geschäftsführer Pressedienst

 

E-Bike 25 und E-Bike 45 – die Unterschiede im Überblick

 

  E-Bike 25 E-Bike 45
Unterstützung bis max. 25 km/h 45 km/h
Motorstärke max. 250 Watt 500 Watt
Versicherungskennzeichen nein ja
Mindestalter nein 15 Jahre
Fahrerlaubnis nein Mofaprüfbescheinigung
Radwegnutzung ja nur wenn »Mofa frei« und außerorts
Helmpflicht nein nein
Beleuchtung Dynamo Akku
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